Florian Karle im Interview mit der BZ: Die Gebäudeversicherung wird mehr kosten

SÜDVERS-Prognose: Angesichts rasant steigender Baukosten rechnet SÜDVERS-Chef Florian Karle mit höheren Prämien für die Gebäudeversicherung.

Immobilienbesitzer müssen mit deutlich höheren Kosten für ihre Gebäudeversicherung rechnen. Diese Einschätzung kommt von Florian Karle, Chef der südbadischen SÜDVERS, die als einer der größten deutschen Versicherungsmakler bekannt ist. Als Grund nennt Karle die rasant wachsenden Baukosten. Als Bemessungsgrundlage für die Versicherungsprämie dient der Neuwert. Dieser nehme stark zu, wenn Handwerker und Bauunternehmer angesichts massiv erhöhter Einkaufspreise mehr Geld verlangten. Ein weiterer wesentlicher Grund sei die Zunahme von Leitungswasserschäden wegen des älter werdenden Leitungsnetzes.

Karle rät jedoch jedem Wohnungsbesitzer ab, die Versicherung zu kündigen, über die Elementarschäden abgedeckt werden. Wie wichtig solch ein Schutz sei, habe die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 gezeigt. Damals sei die Mehrheit der Haushalt ein dem Gebiet nicht gegen Extremwetter und Überschwemmung versichert gewesen. Wie Zahlen des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft zeigen (GDV), nimmt das Interesse an solch einem Schutz wieder ab. Unmittelbar nach der Flut hatte es im dritten Quartal 2021 400 000 neue Verträge gegeben, jetzt liegt die Zahl laut GDV nur noch zwischen 50 000 und 100 000. Karle kann sich für einen gesetzlichen Zwang zum Elementarschadenschutz erwärmen. „Die Gesellschaft würde davon profitieren“, sagte er im Gespräch mit der BZ.

Die SÜDVERS-Gruppe hat sich nach Angaben ihres Chefs ehrgeizige Ziele gesetzt. In diesem Jahr soll das Versicherungsprämienvolumen von 500 Millionen Euro auf630 Millionen Euro steigen. Die Zahl der Mitarbeiter möchte SÜDVERS von 500 auf590 erhöhen. Der Grund sei die höhere Nachfrage nach den Dienstleistungen des Unternehmens. So entwickelt sich laut Karle das Geschäft mit der betrieblichen Altersvorsorge sehr gut – insbesondere bei Unternehmen, die von der Digitalisierung profitierten. Auch was den Bereich Abdeckung von Managerrisiken angehe, sei man auf Erfolgskurs. Mittlerweile arbeiteten 14 Menschen für die Abteilung, am Anfang vor wenigen Jahren seien es nur zwei gewesen. Groß sei auch der Wunsch von Unternehmen, sich gegen Cyber-Risiken abzusichern – also für Folgen von Hacker-Angriffen.

Als Fazit der Corona-Pandemie sieht der SÜDVERS-Chef mehr pandemiebedingte Ausschlüsse in Verträgen und eine geringe Bereitschaft der Versicherer, Schäden in diesem Zusammenhang zu begleichen. Daran werde sich nichts ändern: „Die Risiken sind nicht abschätzbar.“ Aus Russland hätten sich westliche Versicherungsmakler zurückgezogen und ihr Geschäft an russische Unternehmen abgegeben, sagte Karle.

Als Ziel von SÜDVERS bezeichnete der Chef, sich Wissen aus Start-up-Unternehmen zu sichern. Das berühre nicht das Maklergeschäft selbst, in dem weitermaßgeschneiderte Lösungen für Unternehmen und der persönliche Kontaktentscheidend seien. Vielmehr gehe es um die Automatisierung von Abläufen wie zum Beispiel das Erstellen von Mahnungen. „Wir müssen Lösungen finden, da es dauerhaft an Personal mangeln wird“, sagt Karle. Um freie Stellen zu besetzen, hat SÜDVERS ein Programm gestartet, mit dem frühere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gezielt wieder zurückgeholt werden sollen. In Au arbeiten mehr als 110 Menschen für das Unternehmen.

Erschienen am 30.05.2022 in der Badischen Zeitung / von Bernd Kramer