Absenkung der Beitragsbemessungsgrenze – Auswirkungen auf die betriebliche Altersversorgung in Unternehmen

Jährlich wird per Verordnung die Anpassung der Sozialversicherungsrechengrößen für das darauffolgende Jahr beschlossen. Außergewöhnlich in diesem Jahr ist jedoch, dass zum ersten Mal seit der Einführung im Jahr 1959 die Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung (West), kurz BBG-RV, abgesenkt wird.

Da die Rechengrößen der Sozialversicherung für das Jahr 2022 von der Einkommensentwicklung in 2020 abhängen, hinterlässt Corona – etwas zeitverzögert – nun auch in diesem Bereich Spuren. Die BBG-RV sinkt zum ersten Mal seit über 60 Jahren und liegt 2022 bei 84.600 EUR jährlich (2021: 85.200 EUR). Das wirkt sich auch auf die betriebliche Altersversorgung (bAV) aus: bekanntlich dürfen 4 % der BBG-RV steuer- und sozialversicherungsfrei sowie weitere 4 % der BBG-RV steuerfrei in die betriebliche Altersversorgung eingebracht werden. Mit der Anpassung der BBG-RV sinken diese maßgeblichen Werte:

2022 2021
4 % BBG-RV 3.384 EUR p.a., 282 EUR mtl. 3.408 EUR p.a., 284 EUR mtl.
8 % BBG-RV 6.768 EUR p.a., 564 EUR mtl. 6.816 EUR p.a., 568 EUR mtl.

 

Im Detail bedeutet dies: Bei allen Versorgungen bei denen die 4 % im Bereich der Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds oder Unterstützungskasse ausgeschöpft sind, werden künftig monatlich 2 EUR in der Sozialversicherung verbeitragt. Im Leistungsfall wiederum werden auch die sich aus den 2 EUR ergebenden Leistungsanteile als Versorgungsbezug in der Kranken- und Pflegeversicherung verbeitragt (Doppelverbeitragung).

Folgende Auswirkungen ergeben sich daher für Sie und Ihre Mitarbeitenden in der Kranken- und Pflegeversicherung sowie hinsichtlich steuerlicher Aspekte:

Ausgangssituation Auswirkungen in der
Ansparphase
Auswirkungen in der
Leistungsphase
Entgeltumwandlung
Umwandlung 4 % BBG-RV, Einkommen unterhalb BBG-KV 2 EUR p. M. verbeitragt Doppelverbeitragung
Umwandlung 4 % BBG-RV, Einkommen oberhalb BBG-KV Keine Auswirkungen Keine Auswirkungen
BBG-abhängig arbeitgeberfinanzierte Zusagen
Arbeitgeberbeitrag abhängig von BBG-RV Der von Ihnen zur Versorgung bezahlte Beitrag kann sich im kommenden Jahr verändern.
Arbeitgeberleistung abhängig von BBG-RV Die von Ihnen zu zahlende Leistung kann sich im kommenden Jahr verändern.
Steuerliche Aspekte
Umwandlung 8 % BBG-RV 4 EUR p. M. aus versteuertem Einkommen geleistet Bei Rentenleistung erfolgt die Versteuerung des Ertragsanteils
= steuerliche Behandlung wie Privatvertrag (ungefördert)

 

Bei Arbeitnehmern, die den gesetzlichen Rahmen zur Förderung der Entgeltumwandlung ausschöpfen, ergeben sich nach Absenkung der BBG-RV folgende Handlungsoptionen:

  1. Geringfügige Reduktion der Entgeltumwandlung durch Ihre Arbeitnehmer
  2. Akzeptanz von steuer- und sozialversicherungspflichtigen Teilbeiträgen

Sollten Ihre Mitarbeitenden sich für die erste Möglichkeit entscheiden, so muss hierzu eine Mitteilung an den Versorgungsträger erfolgen, eine neue Entgeltumwandlungsvereinbarung erstellt und Ihr Lohnbuchhaltungssystem angepasst werden. Darüber hinaus müssen Sie bei einem prozentualen Zuschusssystem Ihren Zuschuss zur Entgeltumwandlung Ihrer Mitarbeitenden theoretisch reduzieren, sofern diese den Förderungsrahmen voll ausschöpfen und der Zuschuss auf 4% der BBG-RV inkl. Arbeitgeberzuschuss gedeckelt ist.

Unsere Empfehlung:

Aktuell ist davon auszugehen, dass die Absenkung der BBG-RV bereits in 2023, oder spätestens in 2024, wieder kompensiert wird. Aufgrund der anzunehmenden zeitlichen Befristung und den nur marginalen steuerlichen und sozialabgabenrechtlichen Auswirkungen in der Leistungsphase, empfehlen wir Ihnen die bAV in Ihrem Haus unverändert fortzuführen.

Bitte informieren Sie jedoch in jedem Fall alle Mitarbeitenden, die den gesetzlichen Förderrahmen aktuell voll ausschöpfen, über die anstehenden Veränderungen.

Bei Fragen kommen Sie gerne auf unsere Experten für betriebliche Altersversorgung zu.