WBN - GLOBAL RESEARCH REPORT 2026

THE NEW RISK REALITY


Cyberbedrohungen und Unsicherheit dominieren zunehmend die Tagesordnung in den Vorstandsetagen. Europas Führungskräfte setzen deshalb neue Prioritäten in der Risikostrategie.


  • Eine WBN-Studie unter 1.000 europäischen Führungskräften der obersten Ebene zeigt, dass fast die Hälfte der Befragten das Risikomanagement als zweitwichtigsten Faktor für die Widerstandsfähigkeit des Unternehmens einstuft, dicht hinter Innovation und digitaler Transformation

  • Mehr als jeder Dritte betrachtet Versicherungen in erster Linie als strategische Investition in die Unternehmensleistung und erst in zweiter Linie als wichtige operative Absicherung

  • Cyber- und digitale Risiken, KI sowie wirtschaftliche Unsicherheit zählen europaweit zu den drei größten geschäftlichen Sorgen


Führungskräfte in ganz Europa sind sich einig, was ihnen Sorge bereitet. Was sie jedoch unterscheidet, ist das Tempo, mit dem sie Versicherungen in die Strategie auf Vorstandsebene integrieren. Dies geht aus den Daten des „New Risk Reality Report“ des WBN hervor.

Die Umfrage unter 1.000 Führungskräften aus dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Deutschland und Spanien, die jeweils für den Abschluss oder die Verlängerung von Versicherungen verantwortlich sind, wurde vom WBN in Partnerschaft mit MarshBerry in Auftrag gegeben und unabhängig durchgeführt.



Vier Länder, vier Denkweisen


Europas Führungskräfte sind sich über die drei größten geschäftlichen Herausforderungen einig: Cyber- und digitale Risiken, KI sowie wirtschaftliche Volatilität. Fast jeder Zweite nennt zudem durchweg „eine proaktive Risikomanagementstrategie“ als zweitwichtigsten Faktor für die Widerstandsfähigkeit des Unternehmens, dicht gefolgt von Innovation und digitaler Transformation.


Die Einschätzungen hinsichtlich der strategischen Priorität von Versicherungen innerhalb ihrer Unternehmen unterscheiden sich jedoch je nach Region:


  • Großbritannien – Führt weltweit bei der Wahrnehmung von Unternehmensversicherungen als vorrangig strategische Investition (51 %), die die Widerstandsfähigkeit und die Unternehmensleistung unterstützt. Über die Hälfte (55 %) der britischen Führungskräfte stuft die Servicequalität als den mit Abstand wichtigsten Faktor bei der Auswahl eines Maklers ein – der weltweit höchste Wert – und zeigt sich am meisten besorgt über Cyberrisiken sowie Lücken im Cyberversicherungsschutz.

  • Frankreich – Liegt bei der strategischen Wahrnehmung im Mittelfeld (35 %), weist jedoch den höchsten Anteil an Führungskräften auf, die Versicherungen nach wie vor als „unvermeidbaren Kostenpunkt“ betrachten (6 % gegenüber 3 % weltweit). Bei der Wahl eines Versicherungsmaklers zählen für 45 % der Befragten vor allem der Preis und die Gesamtkosten des Risikos zu den wichtigsten Entscheidungskriterien. Unmittelbar dahinter folgt die Qualität der Serviceleistungen.

  • Spanien – Liegt mit 35 % ebenfalls im Mittelfeld der strategischen Wahrnehmung. Gleichzeitig betrachtet hier der größte Anteil der Führungskräfte Innovation als wichtigsten Hebel für Resilienz, deutlich vor proaktivem Risikomanagement oder Krisenvorsorge. Im Gegensatz zu Frankreich legen spanische Führungskräfte weitaus mehr Wert auf den Preis als auf die Servicequalität (39 % gegenüber 32 %), wobei Branchenspezialisierung (38 %) und die Reichweite des globalen Netzwerks (35 %) zu den drei wichtigsten Einflussfaktoren bei der Auswahl eines Maklers zählen.

  • Deutschland – Mit 29 % bildet Deutschland bei der strategischen Wahrnehmung von Versicherungen das Schlusslicht im Ländervergleich. Gleichzeitig betrachten 45 % der Führungskräfte Versicherungen vor allem als Absicherung des operativen Geschäfts, deutlich mehr als im globalen Durchschnitt (34 %). Deutsche Führungskräfte sind die einzige Gruppe, die klare Governance- und Entscheidungsrahmen (48 %) gleichrangig mit einer proaktiven Risikostrategie als wichtigsten Resilienzfaktor einstuft.




Gleicher Druck, unterschiedliche Schwachstellen


Steigende Versicherungsprämien sind in allen untersuchten Ländern die größte versicherungsbezogene Sorge. Dies geben 48 % der Führungskräfte in Frankreich, 43 % in Deutschland, 41 % im Vereinigten Königreich und 37 % in Spanien an. Spanien weist damit den niedrigsten Wert aller im Rahmen der Studie betrachteten Märkte auf. In Spanien werden die größten Sorgen jedoch von der Verfügbarkeit von Versicherungskapazitäten für Naturkatastrophenrisiken (40 %) und der Angemessenheit des Versicherungsschutzes (36 %) bestimmt. Dahinter steht die zunehmende Betroffenheit des Landes durch Extremwetterereignisse.

Neun von zehn Führungskräften in Europa bescheinigen dem Risikomanagement ihres Unternehmens einen guten Ruf. Gleichzeitig nennen sie stärkere, beratungsorientierte statt rein transaktionaler Beziehungen als wichtigsten Hebel, um dessen Ansehen weiter zu verbessern.

Geopolitische Instabilität bereitet Führungskräften auf dem europäischen Festland größere Sorgen als im Vereinigten Königreich. In Frankreich, Deutschland und Spanien zählt sie zu den drei größten Risiken, während sie im Vereinigten Königreich nicht unter den Top 3 erscheint. Dort zählen Cybersicherheit, die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz sowie wirtschaftliche Unsicherheit zu den wichtigsten Risikothemen.

„Was aus dieser Studie besonders hervorgeht, ist, wie schnell sich Versicherungen in allen Märkten, in denen wir tätig sind, zu einem strategischen Instrument für Risikomanagement, Resilienz und die Stabilität der Belegschaft entwickeln, auch wenn diese Entwicklung unterschiedlich schnell voranschreitet. Versicherungen werden zunehmend zu einem festen Bestandteil der Unternehmens- und Vorstandsplanung, anstatt lediglich als nachgelagerter Kostenfaktor oder notwendige Pflichtausgabe betrachtet zu werden“, sagt WBN-CEO Olga Collins.



Die Kluft: Europa vs. Nordamerika


WBN befragte zudem 750 Führungskräfte in den USA und Kanada, wobei sich deutliche Unterschiede zu Europa zeigten:


  • Strategische Wahrnehmung von Versicherungen: 49 % der Führungskräfte in den USA betrachten gewerbliche Versicherungen als entscheidend für Widerstandsfähigkeit und Leistung; das Vereinigte Königreich liegt mit 51 % knapp dahinter, während Deutschland (29 %), Frankreich (35 %) und Spanien (35 %) deutlich zurückbleiben

  • Steigende Prämien: Die Hälfte der Führungskräfte in den USA nennt die Erschwinglichkeit als ihr größtes Anliegen in Bezug auf Versicherungen – der höchste Wert aller befragten Märkte –, während die Werte in Europa zwischen 37 % (Spanien) und 48 % (Frankreich) liegen

  • Wahl eines Maklers: Führungskräfte in den USA und im Vereinigten Königreich legen den größten Wert auf digitale Tools und Innovation (43 % bzw. 45 %); in Kontinentaleuropa – insbesondere in Frankreich und Spanien – stehen Preis und Spezialisierung im Vordergrund


WBN-Vorstandsmitglieder aus den vier untersuchten Ländern zu den Ergebnissen:

Charles Bromfield, McGill and Partners (Großbritannien):

„Da sich traditionelle Risikogrenzen auflösen und neue Herausforderungen wie KI und Cyberrisiken entstehen, suchen Kunden zunehmend nach mehr als nur Kapazität. Sie benötigen Makler, die zielgerichtete Risikotransferlösungen für ihre komplexesten Platzierungen anbieten können. Die Zukunft unserer Branche liegt in der Kombination von fundiertem Fachwissen mit einer wirklich globalen Reichweite, um in einer unsicheren Welt Klarheit und Vertrauen zu schaffen.“


Benjamin Verlingue, Verlingue (Frankreich):

„Für französische Unternehmen basiert Resilienz auf proaktivem Risikomanagement und Krisenvorsorge. Ihre Bedenken hinsichtlich der digitalen Transformation und der Komplexität globaler Versicherungsprogramme sind real, und von uns als Maklern wird erwartet, dass wir frühzeitig Vorausschau bieten und schneller global reagieren.“


Ralf Bender, SÜDVERS (Deutschland):

„Deutsche Unternehmen bleiben operativ diszipliniert, doch die Volatilität von Cyber- und geopolitischen Risiken verändert ihre Prioritäten. Kunden benötigen branchenspezifisches Fachwissen und Makler, die ihnen helfen, regulatorische Feinheiten zu meistern und gleichzeitig die Konsistenz über die Märkte hinweg zu verbessern.“


João Almeida-Santos, Grupo Concentra (Spanien):

„Spanische Unternehmen spüren den Druck wirtschaftlicher Unsicherheit und geopolitischer Instabilität und sind stark auf Kenntnisse der lokalen regulatorischen Rahmenbedingungen angewiesen, um konform und agil zu bleiben. Steigende Prämien und das Katastrophenrisiko stehen im Vordergrund, daher erwarten sie von Maklern, dass sie echten Mehrwert und eine engere globale Abstimmung unter Beweis stellen.“


WBN ist das weltweit größte unabhängige Netzwerk für Versicherungsmakler und Employee-Benefits-Beratung. Dem Netzwerk gehören mehr als 150 führende Unternehmen in über 100 Ländern an, die gemeinsam einen Jahresumsatz von mehr als 14 Milliarden US-Dollar erzielen und ein Prämienvolumen von rund 123 Milliarden US-Dollar platzieren. WBN bietet multinationalen Unternehmen direkten Zugang zu marktführenden lokalen Partnern, die nahtlos als ein globales Netzwerk zusammenarbeiten.

MarshBerry ist eine international tätige Investmentbanking- und Unternehmensberatung mit Fokus auf professionelle Dienstleistungsunternehmen. Das Unternehmen unterstützt seine Kunden bei der nachhaltigen Steigerung ihres Unternehmenswerts und verfügt über umfassende Expertise in den Bereichen Versicherungsmakler, Wealth Management, Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung sowie spezialisierte Finanz- und Versicherungsdienstleister. Zum Leistungsspektrum zählen unter anderem M&A-Beratung, Kapitalmarkt- und Finanzierungslösungen, strategische und finanzielle Beratung sowie Marktanalysen und Brancheninformationen.